Passionsspiele

Wintrich
Im Jahr 2002 konnte die Passionsvereinigung Wintrich e.V. das 100-jährige Jubiläum der »Wintricher Passionsspiele« feiern. Ein ganz besonderes Merkmal der Passionsspiele 2007 war das Zusammentreffen der Passionsspielgruppen Europas, der »Europassion«, am Ende der Veranstaltungsserie von 30 Aufführungen in Wintrich an der Mosel. In der Zeit von Anfang März bis Ende Mai zeigten über 200 aktive Mitspieler Abend für Abend in der Pfarrkirche St. Stephanus ein Passionsspiel, das zum einen geprägt ist von freien Diskussionen und Interpretationen um die Freiheit der Israeliten und zum anderen ganz deutlich die Glaubensbotschaft des Wanderpredigers Jesus Christus vermitteln möchte. Eine Botschaft, die in unserer von Konsum, Geld und Statussymbolen geprägten Gesellschaft leider oft nicht mehr gehört zu werden vermag, aber dennoch immer wichtiger wird. Die Lehre des reinen Kapitalismus, wie er sich gerade nach dem Fall des Eisernen Vorhanges in Osteuropa zeigt, stößt längst an die Grenzen von Moral und Menschlichkeit und bringt leider auch erhebliche soziale Ungerechtigkeiten mit sich. Genau hier stellt Georg Holl, Autor der Wintricher Passion, mit der Textfassung des »Einzuges« in freier Interpretation Jesus Christus vor die Obrigkeit und lässt ihn die noch heute gültige Aussage treffen: »Eure Ordnung ist Unordnung, eure Rechte sind Rechtlosigkeit ... Die Welt braucht Freude und Friede ... Zu verkünden gilt es den Gott der Liebe und der Wahrheit, der alle Völker als Brüder eint!« Viele der Aussagen aus der »Wintricher Passion« behalten vor diesem Hintergrund ihre Aktualität und sind von daher immer noch sehr zeitgemäß, wenn auch mancher in unserer Gesellschaft dies bezweifeln mag. Gerade diese Zweifler sind eingeladen, die Botschaft zu hören und diese auch zu verinnerlichen, so wie viele Mitwirkende und Zuschauer in den letzten Jahren es getan haben. Im Jahr 2012 wird dann wieder ganz Wintrich im Zeichen der Passionsspiele stehen. Informieren sie sich jetzt! Kartenverkauf ab 1. Mai 2011!
Chronik der Passionsspiele in Wintrich Im Jahre 1902 wurden zum ersten Mal Passionsspiele in Wintrich aufgeführt. Überliefert ist, das der damalige Pastor Wrede ein einfaches Passionspiel mit einfachen Bildern inszenierte. Von da an wurde im 5-jährigem Turnus gespielt, leider immer wieder unterbrochen von den furchtbaren Kriegsjahren. Als nach dem Krieg 1947 die Passionspiele wieder aufgeführt werden sollten, wurde Schnaps, Wein, Fett, Eier und vieles mehr gesammelt, um damit beim Trierer Stadttheater Kostüme zu leihen. Aus der Not der Zeit heraus wurde mit einfachen Mitteln versucht, das Passionspiel möglichst wirklichkeitsnah dazustellen. Bärte aus Rosshaar oder der Einband des Rollenbuches aus Pappe eines alten Bahnkartons sind noch stumme Zeugen einer mittellosen Zeit. Im Jahre 1952 endete die Tradition des Passionsspieles, da benötigte Räume fehlten und das Fernsehen modern wurde, vorerst. Es sollte 45 Jahre dauern bis die "Winricher Passion" wieder aufgeführt wurde. Ursache war die Gründung des Wintricher Theatervereines im Jahr 1991. Von diesem Zeitpunkt an wurden die damalig Aktiven immer und immer wieder mit dem Wunsch konfrontiert die Passionsspiele doch endlich wieder aufleben zu lassen. Im Frühjahr 1995 wurde die Passionsvereinigung Wintrich mit vielen Mitgliedern gegründet. Als Spielleiter für die Passionsspiele wurde Dirk Kessler gewonnen, der vom ersten Moment auch die Qualität des darstellenden Spiels und des Gesangs in den Vordergrund stellte. Am 07.06.1997 fand die erste von 15 Aufführungen der "Wintricher Passion" in der Pfarrkirche St. Stephanus statt, einem Ort, der von seiner Würde und Atmosphäre pradesiniert ist, die unerträglichen Qualen Jesu, aber auch die damit verbundene Hoffnung für die Menschheit widerzuspiegeln. Der einzigartig Erfolg gab den Ansporn, die Passionsspiele im Jubiläumsjahr 2002 noch eindrucksvoller zu inszenieren und die Betrachter den konfliktreichen Leidensweg des Gottessohnes hautnah erleben zu lassen. Nunmehr finden wieder alle 5 Jahre Passionspiele statt. Die nächsten Aufführungen sind für die Fastenzeit 2012 geplant. Eines aber ist im Laufe der 100 Jahre unverändert geblieben, der Wille zu einer erfüllenden Gemeinschaftsleistung und die absolute Uneigennützigkeit der vielen Mitwirkenden.
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